Gliederung
1. Einführung2. Aufbau der Arbeit
3. Der Test von Leontief
3.1. Prämissen
3.2. Die Input-Output-Tabelle
3.3. Das Ergebnis des Leontief-Tests: Das Leontief-Paradoxon
4. Kritik am Leontief-Test und Erklärungsversuche
4.1. Die Messung der Faktorintensitäten
4.2. Der Einfluss von knappen natürlichen Ressourcen
4.3. Homogenität der Produktionsfaktoren
4.4. Umschlagende Faktorintensitäten
4.5. Inländische Nachfrageverhältnisse
4.6. Der Einfluss der Außenhandelspolitik
5. Kritische Würdigung
Literaturverzeichnis
1. Einführung
Die Frage nach den Bestimmungsgründen der Richtung des internationalen Warenhandels ist in der Literatur ausgiebig diskutiert worden. Die reine Theorie der internationalen Wirtschaftsbeziehungen liefert uns eine Reihe von Erklärungen für die Aufnahme von internationalem Handel und die Richtung der Warenbewegungen. Dementsprechend gibt es auch viele Versuche die empirische Relevanz der in der reinen Theorie gemachten Aussagen zu testen. Der Test von Leontief[1] für die Vereinigten Staaten des Jahres 1947 nimmt aus verschiedenen Gründen eine besondere Stellung ein: Die Ergebnisse seines Tests stehen zum krassen Widerspruch zu den Aussagen der reinen Theorie, eigenartig ist auch seine Erklärung seiner Ergebnisse. Leontief hat aber auch als erster die Analyse anhand einer Input-Output-Tabelle erfunden und erstmalig bei diesem Test angewandt. Die Input-Output-Tabelle wurde als Untersuchungsinstrument in den nächsten Jahren verbessert und hat sich als ein unverzichtbares Instrument erwiesen, nicht nur bei der Untersuchung der internationalen Warenbewegungen sondern auch bei der Untersuchung der inter- und intrasektoralen Beziehungen einer Volkswirtschaft. Schließlich hat seine Untersuchung und die anschließend intensive Debatte über die Ergebnisse seines Tests zu zahlreichen Fortentwicklungen im Bereich der Modelle der Faktorproportionentheorie geführt.
2. Aufbau der Arbeit
Im nächsten Abschnitt wird auf den Leontief-Test eingegangen. Dabei wird die Vorgehensweise von Leontief erläutert. Im Mittelpunkt steht die wichtige Frage der Messung der Faktorintensitäten der ausländischen Importprodukte. Diese Frage ist von zentraler Bedeutung, denn sie beeinflusst entscheidend das Ergebnis des Leontief-Tests. Die Prämissen von Leontief (Gliederungspunkt 3.1.) sind zum Teil die Annahmen des Heckscher-Ohlin-Modells, die Durchführbarkeit seines Tests erforderte jedoch zusätzliche und vom Heckscher-Ohlin-Modell abweichende Prämissen. Leontief ermittelte seine Ergebnisse mit Hilfe einer Input-Output-Tabelle. Ihr grundsätzlicher Aufbau wird im Abschnitt 3.2. dargestellt. Im nächsten Abschnitt steht das Ergebnis des Leontief-Tests. Dieses Ergebnis sorgte für eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung darüber, ob die Prämissen von Leontief mit den Annahmen des Heckscher-Ohlin-Modells vereinbar waren, und inwieweit andere von Leontief nicht berücksichtigte Faktoren zu anderen Ergebnissen führen könnten. Die wichtigsten Punkte dieser Debatte werden in den Abschnitten 4 - 4.6 dargestellt. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Untersuchung von Leontief.
3. Der Test von Leontief
Leontief[2] untersuchte empirisch für die USA die Heckscher-Ohlin-Aussage, wonach ein kapitalreiches Land kapitalintensive Güter exportiert und arbeitsintensive Güter importiert (Faktorproportionen-Theorem). Demnach müssten die USA als kapitalreichstes Land der Welt kapitalintensive Güter exportieren und arbeitsintensive Güter importieren. Bekanntlich gehen Heckscher und Ohlin in ihrem Zwei-Güter-Zwei-Faktoren-Modell von substitutionalen und linear homogenen Produktionsfunktionen sowie gleicher Faktorausstattung in beiden Ländern aus, so dass die ricardianische Erklärung (komparativer Kostenvorteile) für die Aufnahme von Außenhandel nicht in Frage kommt[3]. Lediglich zwischen den beiden Gütern besteht eine unterschiedliche Faktorintensität. Leontief musste also den Arbeits- und Kapitaleinsatz bei den Export- und Importgütern ermitteln und vergleichen, um die empirische Relevanz der Heckscher-Ohlin-These zu testen. Bei der Ermittlung der Faktorintensitäten ist dann Leontief wie folgt vorgegangen: Er versuchte festzustellen, welche Faktormengen freigesetzt werden, wenn die USA sowohl ihre Exporte als auch ihre Importe um 1 Million $ verringern. Die dabei freigesetzten Faktormengen bei der inländischen Exportindustrie werden eingesetzt, um die ausgefallene Importmenge[4] im Inland zu erzeugen. Wenn das Heckscher-Ohlin-Theorem korrekt ist, muss die Erzeugung der Exportprodukte relativ viel Kapital und relativ wenig Arbeit erfordern, während die Erzeugung der ausgefallenen Importe weniger Kapital und mehr Arbeit erfordern müsste[5].
Diese Vorgehensweise war notwendig, weil damals für die Importgüter keine Daten aus den Lieferländern der USA vorhanden waren, anhand deren man die Faktorintensitäten der Exportgüter mit denen der Importgüter direkt vergleichen könnte.
3.1. Prämissen
Obige Vorgehensweise von Leontief beinhaltet die Annahme, dass die Faktorintensitäten der Importsubstitute und die der Importgüter gleich sind.
Leontief musste nun weitere Annahmen einführen, um die Faktorintensitäten der verschiedenen Güter ermitteln zu können. Von besonderer Bedeutung ist seiner Proportionalitätsannähme: Die Inputs eines Wirtschaftszweiges verhalten sich proportional zu dessen Output (lineare Technologie)[6]. Gleichzeitig ist keine Faktorsubstitution möglich. Eine Erhöhung der Produktion kann nur durch eine Erhöhung aller Faktoren um das gleiche Verhältnis erreicht werden. Schließlich gibt es nur ein konstantes (effizientes) Mengenverhältnis der Inputs für die Produktion einer beliebigen Menge eines bestimmten Gutes. Diese sog. Leontief - Produktionsfunktion ist linear, homogen und limitational[7]. Unter Berücksichtigung obiger Annahmen ermittelte Leontief seine Ergebnisse anhand einer Input-Output-Tabelle (s. Abschnitt 3.2.). Insbesondere für die Exporte und die Importe ermittelte Leontief entsprechend seiner Fragestellung den Kapitalgehalt von Exportgütern im Wert von 1 Mio. $ den Arbeitsgehalt von Exportgütern im Wert von 1 Mio. $ den Kapitalgehalt für Importsubstitute im Wert von 1 Mio. $ den Arbeitsgehalt für Importsubstitute im Wert von 1 Mio. $.
3.2. Die Input-Output-Tabelle
Die Untersuchung von Leontief basierte auf einer 200 Industriezweige umfassenden Input-Output-Tabelle[8]. Im folgenden werden die wichtigsten Bestandsteile einer solche Tabelle erläutert.
Die Input-Output-Tabelle basiert auf dem Kreislaufschema in Matrixform. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Flussrichtung der realen Güterbewegungen gewidmet. Sie ermöglicht eine Erfassung der Bezugs- und Lieferströme, die zwischen den verschiedenen Wirtschaftsbereichen einer Volkswirtschaft und zum Ausland fließen (als Input- und Output-Ströme)[9]. Ausgangspunkt beim Aufbau der Input-Output-Tabelle ist das um die Einkommensentstehung erweiterte Produktionskonto[10]:
Ordnet man die Aufwandsseite als Spalte, die entsprechende Ertragsseite als Zeile einer Matrix derart „über Kreuz“ an, dass der In-sich-Vorleistungsstrom jedes Sektors im Schnittpunkt beider Balken auf der Hauptdiagonale liegt, ergibt sich das bekannte Bild der Input-Output-Tabelle, jetzt allerdings ohne die Sektorenbezeichnung Haushalte, Staat und Vermögensveränderung, sondern mit der direkten Bezeichnung der verbundenen Ströme, also Konsum, Bruttoinvestition, usw. Die Input-Output-Tabelle setzt sich aus drei Teilmatrizen zusammen: Die Vorleistungsmatrix enthält die Vorleistungslieferungen der n Sektoren untereinander, einschließlich der In-sich-Ströme. Ihre Zeilensummen weisen die gesamten Vorleistungslieferungen eines Sektors an alle anderen Sektoren aus, die Spaltensummen enthalten den gesamten Vorleistungsverbrauch eines Sektors[11]. Die Endnachfragematrix enthält die Lieferungen der n Produktionssektoren für den Endverbrauch.
Die Primäraufwandsmatrix enthält verschiedene Posten wie Gewinne, Löhne, Abschreibungen, indirekte Steuern und Importe. Die Zeilen der Input-Output-Tabelle zeigen demensprechend die Output-Struktur der Sektoren und die Spalten die Input-Struktur. Dividiert man Wert eines Feldes durch den Wert der zugehörigen Spaltensumme erhält man die sog. Inputkoeffizienten, die zeigen, wie viele Mengeneinheiten des Produktes i wertmäßig zur Erzeugung einer Einheit des Produktes j benötigt werden. Der Quotient aus dem Wert eines beliebigen Feldes und der zugehörigen Zeilensumme ergibt die sog. Outputkoeffizienten, die angeben, welcher Teil des gesamten Outputs von Sektor i an andere Produktionssektoren und an die Endnachfrage fließt[12].
3.3. Das Ergebnis des Leontief-Tests: Das Leontief - Paradoxon
Das Ergebnis seiner Untersuchung formulierte Leontief wie folgt[13]: „ Die Zahlen machen deutlich, dass unsere Exporte in Höhe von 1 Million Dollar erheblich weniger Kapital und mehr Arbeit in Anspruch nehmen als für die Ersetzung konkurrierender Importe mit gleichem Gesamtwert erforderlich sein würde. Amerikas Teilnahme an der internationalen Arbeitsteilung basiert also auf der Spezialisierung auf Produktionszweige mit arbeitsintensiver und nicht auf Produktionszweige mit kapitalintensiver Produktion. ... Es zeigt sich, dass die weit verbreitete Ansicht falsch ist, die amerikanische Volkswirtschaft sei durch einen relativen Kapitalüberfluss und durch relative Arbeitsknappheit gekennzeichnet. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu“. Dieses sog. Leontief-Paradoxon widerspricht dem Heckscher/Ohlin-Theorem und löste eine heftige Debatte aus. Einerseits wurden die Prämissen von Leontief kritisiert aber andererseits versuchte man auch das Ergebnis des Leontief-Tests zu erklären. Die wichtigsten Punkte dieser Debatte werden in den folgenden Abschnitten zusammengefasst.
4. Kritik am Leontief-Test und Erklärungsversuche
Gleich an erster Stelle sollte klargestellt werden, dass Ziel von Leontief nicht etwa die „Falsifizierung“ des Heckscher/Ohlin-Theorems oder die Untersuchung der formalen Richtigkeit dieses Theorems, sondern ganz einfach die empirische Evidenz dieses Ansatzes. Außerdem ist es nicht so, dass, wenn ein Modell beobachtete Änderungen und Zusammenhänge nicht erklären kann, das Modell „falsch“ ist; das heißt nur, dass die beobachteten Änderungen und Zusammenhänge anhand dieses Modells nicht erklärt werden können. Darüber hinaus können Beobachtungen keine legitime Basis für die Widerlegung im Rahmen einer Modellanalyse gewonnener Aussagen sein.
4.1. Die Messung der Faktorintensitäten
Die Messung der Faktorintensitäten der Importgüter an den Importsubstituten ist im Prinzip mit den Annahmen des Heckscher-Ohlin-Theorems vereinbar, denn Heckscher und Ohlin setzen in ihrem Modell identische Produktionsfunktionen voraus. Ihr Modell ist jedoch ein Zwei-Länder-Modell. Leontief hätte dementsprechend die Handelsströme zwischen den USA und einem anderen Land betrachten müssen. An der Messung der Faktorintensitäten der Importgüter an den Importsubstituten wird auch folgendes kritisiert: Ein großer Teil der von den USA importierten Güter stammte aus Firmen mit US-Eigentümern. Dies wäre unerheblich, wenn diese Firmen sonst die im Produktionsland üblichen Faktorproportionen verwenden würden. Einige Autoren sind jedoch überzeugt, dass diese Firmen US-Produktionsbedingungen anwenden[14]. Trifft diese Behauptung zu, so ist das Ergebnis des Leontief-Tests nicht mehr haltbar.
4.2. Der Einfluss von knappen natürlichen Ressourcen
Ein anderes Argument richtet sich gegen die von Leontief und im rahmen der traditionellen Analyse vom Typ Heckscher-Ohlin gemachte Annahme der Existenz von nur zwei Produktionsfaktoren in den beteiligten Ländern. Die Berücksichtigung zusätzlicher Produktionsfaktoren, vor allem knapper natürlicher Ressourcen könnte zu einer grundsätzlichen Änderung der Ergebnisse führen. Die Abweichungen der Kapital- und Arbeitsintensitäten zwischen den Exporten und den Importsubstituten könnten durch die Knappheit wichtiger natürlicher Ressourcen, die bestimmt, was importiert wird. Demnach exportieren die USA Waren, die viel von den relativ reichlich vorhandenen Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit erfordern, und importiert Waren, die viel von den knappen natürlichen Ressourcen erfordern würden[15].
4.3. Homogenität der Produktionsfaktoren
Leontief liefert einen Versuch der Erklärung seiner Ergebnisse, indem er sich mit der Prämisse der internationalen Homogenität der Produktionsfaktoren auseinandersetzt. Auch bei identischen Produktionsfunktionen für gleiche Güter in verschiedenen Ländern gilt nicht die grundlegende Annahme von Heckscher/Ohlin, dass nämlich eine physische Einheit Arbeitskraft in den USA gleich eine physische Einheit Arbeitskraft im Ausland ist.
Leontief ist davon überzeugt[16], dass US-Arbeitskräfte viel produktiver sind als die Arbeitskräfte im Ausland. Nimmt man an (so Leontief), dass eine physische Einheit menschlicher Arbeitskraft in den USA drei Einheiten menschlicher Arbeitskraft im Ausland entspricht, so kommen wir zu anderen Aussagen über die relative Ausstattung der US-Wirtschaft mit den verschiedenen Produktionsfaktoren. Demnach sind die USA reich an Arbeitskräften und arm an Kapital. Als Konsequenz daraus importieren sie Güter, die viel Kapital erfordern würden und exportieren solche, die arbeitsintensiv sind. Obwohl Leontief nicht erklären kann, warum die US-Arbeitskräfte so produktiv sind, lehnt die Erklärung ab, dass dies an der hohen Kapitalausstattung der US-Wirtschaft liegen könnte. Wenn das die Erklärung wäre, dann könnte und würde das Ausland auch die US-Produktionsmethoden übernehmen. Diesen Sachverhalt sehen jedoch andere Wissenschaftler anders. Die Berücksichtigung des im Rahmen der Bildung und Ausbildung der Arbeitskräfte eingesetzte Kapital (human capital) einerseits und des technischen Wissens, welches die eingesetzten Kapitalmengen verkörpern, könnte zu ganz anderen Ergebnissen über die Faktorreichlichkeit der Produktionsfaktoren führen[17]. Verfolgt man diese Auffassung[18], dann kann man das Arbeitspotential in verschiedene Kategorien von Arbeitskräften unterschiedlichen Qualitätsniveaus (z.B. fachlich ausgebildete, angelernte oder ungelernte Arbeitskräfte) aufspalten. Das arbeitsreiche Land mit verhältnismäßig wenigen hochqualifizierten Arbeitskräften kann dann Produkte, deren Produktion hohen Einsatz qualifizierter Arbeitskräfte erfordern, nur mit hohen Aufwand herstellen, weil die knappen qualifizierten Arbeitskräfte sehr teuer sind. Im Gegensatz dazu das kapitalreiche Land reichlich mit qualifizierten Arbeitskräften ausgestattet und kann solche Produkte günstig herstellen. Demnach kann man im Rahmen eines Drei-Faktoren Modells (einfache Arbeit, Ausbildung, Kapital) das Ergebnis des Leontief-Tests so interpretieren, dass die dort ausgewiesene relativ hohe Arbeitsintensität der US-Exporte in Wirklichkeit deren hohe Qualifikationsintensität zum Ausdruck bringt, während die Importe als arbeitsintensiv anzusehen sind. Damit kann man Ursachen und Richtung der internationalen Warenbewegungen anhand eines modifizierten Faktorproportionentheorems erklären: kapitalreiche Länder werden solche Güter exportieren, deren Erzeugung die in diesen Ländern reichlich vorhandenen qualifizierten Arbeitskräfte erfordert, und solche Güter importieren, deren Erzeugung in den Ursprungsländern einen hohen Anteil an gering ausgebildeten Arbeitskräften erfordert[19] (Neo-faktorproportionen-Theorem). Behält man das Zwei-Faktoren Modell bei, dann muss der Kapitalbegriff um das Humankapital erweitert werden. Die hohe Arbeitsintensität US-Exporte entspricht dann ihrem relativ hohen Anteil an Humankapital und die Exporte sind als kapitalintensiv einzustufen.
4.4. Umschlagende Faktorintensitäten
Das Heckscher-Ohlin-Theorem gilt in den Fällen nicht, in denen die in beiden Ländern identische Produktionsfunktionen umschlagende Faktorintensitäten beinhalten. In diesen Fällen wird nach Überschreiten eines bestimmten Lohn-Zins-Verhältnisses das bislang arbeitsintensive zum kapitalintensiven Produkt. Solche Produkte können dann nicht mehr eindeutig in arbeits- oder kapitalintensive Produkte eingeteilt werden[20]. Minhas ist dieser Frage nachgegangen und kommt zum Resultat, dass ein Umschlagen der Faktorintensität durchaus möglich ist[21].
4.5. Inländische Nachfrageverhältnisse
Ist die Nachfrage im Inland nach solchen Gütern, deren Produktion viel von dem reichlich vorhandenen Produktionsfaktor erfordert, sehr groß, kann es dazu kommen, dass diese zum Teil Güter importiert werden, wenn der inländische Produktionsapparat nicht in der Lage ist, die starke Nachfrage in vollem Umfang zu befriedigen. Ist z.B. in einem kapitalreichen Land die Nachfrage nach kapitalintensiven Gütern sehr groß, dann ist es möglich, dass kapitalintensive Güter importiert werden[22].
4.6. Der Einfluss der Außenhandelspolitik
Bei protektionistischer Außenhandelspolitik ist der Import bestimmter Waren nicht mehr eine Frage von komparativen Kostenvorteilen, sondern eine wirtschaftspolitische Entscheidung. Das gilt besonders für die Außenhandelspolitik der USA im Jahr 1947. Dieser Umstand könnte ebenfalls das Leontief-Paradoxon erklären. Travis[23] vertritt die These, dass die Handelsstruktur entscheidend von der Außenhandelspolitik bestimmt wird.
5. Kritische Würdigung
In den vorangegangenen Abschnitten wurde der Leontief-Test und sein Ergebnis dargestellt. Dabei wurden eventuelle Mängel aufgezeigt, wie z.B. bei der Messung der Faktorintensitäten und der Erfassung der Faktorreichlichkeit (vor allem Definition des Kapitalbegriffs). Zusätzlich wurden Faktoren genannt, deren Berücksichtigung zu andere Ergebnissen führen könnte, als die des Leontief-Tests. Unabhängig davon ist die Arbeit von Leontief wegen der dadurch ausgelösten fruchtbaren wissenschaftlichen Debatte mit zahlreichen Fortentwicklungen im Bereich der Faktorproportionentheorie ein wichtiger Beitrag bei der Untersuchung der Frage nach den Bestimmungsgründen der Richtung des internationalen Warenhandels. Ein anderer Aspekt der Arbeit von Leontief ist ebenfalls von besonderer Bedeutung: nämlich die Erfassung nicht nur der direkten Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Sektoren einer Volkswirtschaft, sondern auch die Herausarbeitung der indirekten Zusammenhänge[24]. Welchen Beitrag leisten z.B. die Telekommunikationen zur Herstellung von Autos im Wert von 1 Mio. $.
Literaturverzeichnis
- Bender, Dieter: Außenhandel, in: Bender, D. (Hrsg.): Vahlens Kompendium der Wirtschafts- theorie und Wirtschaftspolitik, 4. Auflage 1990, München.
- Bomsdorf, Eckart: Das verallgemeinerte Input-Output-Modell als Grundlage für Input-Output-Analysen. Theoretische Voraussetzungen und empirische Untersuchungen. Schriften zur wirtschaftswissenschaft- lichen Forschung, Band 119, Meisenheim am Glan 1977.
- Caves, Richard E.: Trade and Economic Structure. Modells and Methods, Cambridge, Mass. 1963.
- Holub, Hans-Werner / Schnabl, Hermann: Input-Output-Rrechnung: Input-Output-Tabellen, 2.Auflage, München 1985.
- Leontief, Wassily: Domestic Production and Foreign Trade: The American Capital Position Re-examined, in: Leontief, W.(Hrsg.): Input-Output-Economics, New York 1966.
- Siebert, Horst: Außenhandelstheorie, 2. Auflage, Stuttgart 1977.
[1] US-Wirtschaftswissenschaftler und Mathematiker.
[2] Vgl. Leontief, Wassily: Domestic Production and Foreign Trade: the American Capital Position Re-examined, in: Leontief, Wassily (Hrsg.): Inpout-Output Economics, New York 1966;
S. 68 ff.
[3] Vgl. Bender, Dieter: Außenhandel, in: Bender, Dieter (Hrsg.): Vahlens Kompentium der
Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, 4. Auflage 1990, München; S. 439 ff.
[4] im folgenden Importsubstitute genannt.
[5] Vgl. Caves, Richard E.: Trade and Economic Structure. Modells and Methods, Camdridge,
Mass. 1963; S. 273 ff.
[6] Vgl. Leontief, Wassily: a.a.O., S.73 ff. Spetiell zu den Inputerfordernissen im Import- und
Exportsektor vgl. S. 75 ff.
[7] Vgl. Bomsdorf, Eckart: Das verallgemeinerte Input-Output Modell als Grundlage für Input-
Output-Analysen. Theoretische Voraussetzungen und empirische Untersuchungen. Schriften zur wirtschaftswissenschaftli- chen Forschung, Band 119, Meisenheim am Glan 1977; S. 10 ff.
[8] Vgl. Leontief, Wassily: a.a.O., S. 71 ff.
[9] Vgl. Holub, Hans-Werner / Schnabl, Hermann.: Input-Output-Rechnung: Input-Output-
Tabellen, 2. Auflage, München 1985; S. 15.
[10] Vgl. Holub, H.-W. / Schnabl, H.: a.a.O., S. 18 ff.
[11] wenn die Matrix qudratisch ist.
[12] Vgl. Holub, H.-W. / Schnabl, H.: a.a.O., S. 152 f.
[13] Vgl. Leontief, Wassily: a.a.O., S. 86.
[14][14] Vgl. Caves, Richard E.: a.a.O., S. 276.
[15] Ebenda, S. 275 f.
[16] Vgl. Leontief, Wassily: a.a.O., S. 87 f.
[17] Vgl. Siebert, Horst: Außenhandelstheorie, 2. Auflage, Stuttgart 1977; S. 67 f.
[18] Vgl. Bender, D.: a.a.O., S. 446.
[19] Vgl. Bender, D.: a.a.O., S. 446.
[20] Vgl. Bender, D.: a.a.O., S. 445 f. [
21] Vgl. Minhas, B. S.: An International Comparison of Factor Costs and Factor Use, Amsterdam
1963, zitiert bei: Siebert, H.: a.a.O., S. 69.
[22] Vgl. Caves, R. E.: a.a.O., S. 275 und Siebert, H.: a.a.O., S. 68.
[23] Vgl. Travis, W. P.: The Theory of Trade andn Protection, Cambridge, Mass., 1964, Kap. 3
und 4, zitiert bei: Siebert, H.: a.a.O., S. 69.
[24] Vgl. Leontief, W.: a.a.O., S. 71.
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